Seiten

Freitag, 3. September 2010

Wenn sich Deutschland schon selbst abschafft, dann nehmen wir Herrn Sarrazin aber bitte mit!

Ich weiß nicht genau, was mir in den letzten vier Tagen mehr Sorgen bereitet hat, die Tatsache, dass man einem Menschen wie Herrn Thilo Sarrazin noch eine öffentliche Plattform bietet, auf der er seine diffamierenden Äußerungen verbreiten darf oder die Tatsache, dass ein großer Teil der deutschen Bevölkerung noch Beifall klatscht und ihm Respekt zollt!

Ich bekomme schon Kopfschmerzen bei dem Gedanken, dass sich überhaupt ein Verlag gefunden hat, der so einen Schund veröffentlichen mag, aber wenn ich mir vorstelle, dass man diese an den Haaren herbei gezogenen Thesen auch noch für gut befindet, löst einen ganz großen Würgreiz bei mir aus.

 Zudem sollte doch gerade dieser Autor mal etwas kleinere Brötchen backen. Immerhin lässt sich der Stammbaum seiner Familie bis zu den Hugenotten zurückverfolgen, die im 17. und 18. Jahrhundert den Deutschen französische Manieren beigebracht haben. Ist er somit nicht selbst ein Kind bzw Urenkel von Migranten, die er ja nun so scharf kritisiert und für den Niedergang des deutschen Volkes verantwortlich macht?

Wer sich mal die demographischen Werte zum Thema Bevölkerungsrückgang oder -zuwachs anguckt, wird feststellen, dass es diese Schwankungen schon immer gegeben hat und dass die Bevölkerungszahl gerade durch den Strom von Zuwanderen auf einem konstanten Niveau gehalten wurde.


Und es wird eine mangelnde Integration beklagt. Nur hat man mal darüber nachgedacht, ob von Seiten des Staates etwas für die Integration von Migranten getan wird? Schon seit Zeiten der Gastarbeiter waren Zuwanderer immer nur so etwas wie "Zaungäste", die nach einer Weile wieder gehen würden. Es ist anscheinend nie wirklich darüber nachgedacht worden, ob diese Menschen in Deutschland bleiben wollen. Und es ist nicht abzustreiten, dass die Gastarbeiter einen positiven Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands hatten. Aber ich finde, es sollte sich kein Politiker darüber wundern, dass sich die sogenannten Parallelgesellschaften entwickeln, wenn ich einem fremden Menschen nicht das Gefühl gebe, dass er in meinem Land willkommen ist und ich ihm helfe, hier auch anzukommen und Fuss zu fassen.

Und ja, es gibt Untersuchungen, dass das intellektuelle Niveau seit 1995 gesunken ist, aber das kann ja nicht nur auf die integrationsunwilligen Migranten geschoben werden. Aber warum sollten wir denn auch vor der eigenen Tür kehren, wenn es beim ausländischen Nachbarn (deutscher Pass hin oder her) so viel schmutziger ist? Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass sich meine Eltern bzw meine Großeltern dafür interessiert und darum gekümmert haben, was bei mir in der Schule so los war und dass ich meine Hausaufgaben gemacht habe etc (das leidige Thema dürfte ja allen bekannt sein). Das scheint heute in vielen Familien nicht mehr gemacht werden, aber wozu auch, wenn man das Kind bequem vor dem Fernseher oder Spielekonsole parken kann? Und woher soll man auch die Motivation bekommen, wenn man schon zu Hause ein "Null Bock haben" vorgelebt bekommt? Von den Kürzungen im Bildungssektor will ich jetzt nicht anfangen, selbst ich hatte in den 90er Jahren noch ein Biologiebuch aus dem Jahre 1948.

Und die neuen Bürgerlichen, zu denen ich Herrn Sarrazin mit seinen Thesen auch zähle, klagen ja auch so gerne über den Werteverfall in unserer Gesellschaft. Das mag auch nicht auf alle zutreffen, aber da verweise ich mit einem Fingerzeig mal wieder auf die so viel gescholtenen Migranten. Diejenigen, die ich kennen gelernt habe, könnten einigen Deutschen noch Nachhilfeunterricht in Sachen Familienwerte,  Respekt etc erteilen.


Wenn ich so darüber nachdenke, dass wohl ein Großteil dieser Neokonserativen, die ja den Wertefall, mangelnden Respekt, Zuwanderung, Unterschicht und noch so vieles anderes fürchten, jetzt einem Mann Respekt zollen, der dermaßen diffamierende Thesen vorbringt und damit ganze Bevölkerungsgruppen und Völker beleidigt, in ein mehr als schlechtes Licht rückt. Manche seiner Äußerungen zum Thema Migranten erwecken bei mir den Eindruck, als wenn er ein wenig zu oft das Pamphlet eines gewissen Österreichers gelesen hätte.


Es bleibt nur zu hoffen, dass der vernünftig und rational denkende Teil der Bevölkerung es zu verhindern weiß, dass sich so ein geistiger Giftmüll in den Gehirnen festsetzt und eine Volksmeinung wird!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen